Keine kritischen Fragen, kein Widerspruch… keine Ausländer

Das geschah lange her und seit dem hat sich in der CDU viel verändert – Dank Merkel -. Trotzdem ist es sehr gut möglich, dass eine Szene, wie ich sie hier beschreiben werde, sich auch heute irgendwo in Deutschland wiederholt.

Es muss im Sommer 1994 gewesen sein. Ich war hochschwanger und sah so aus (wie eine Tonne, sagte eine Nachbarin 🙂 ). Wurde zu einer Veranstaltung der “Initiative Junge Familien – Bonn”[1] eingeladen. Die Veranstaltung fand in einem privaten Haus in Godesberg statt.

lch war alleine dort, mein Mann hat auf unser ältestes Kind augfepasst. Ungefähr 20 (oder mehr) Personen waren da. Ich kannte fast alle relativ gut und war sogar bei ihnen eingeladen gewesen oder sie waren bei mir zu Hause.

Der Referent war ein Mitglied des Bundestags aus Ulm. Ein konservativer Herr, der uns erzählt, dass er Vater von sechs Kinder war (oder zehn Kinder, weiß ich auch nicht mehr genau) und dass seine Frau sich in der Schule ihrer Kinder engagiert hat. Er beklagte, dass seine Frau in der Öffentlichkeit gedemütigt wurde eben weil sie viele Kinder hatte.

Er verkündete seine Überzeugung, dass eine Frau nicht berufstätig sein dürfte. Dass sie sich 100% um die Kinder und ihre Angelegenheiten kümmern müsste/solllte. Und dass die Frau nicht so egoistisch sein sollte, einen Beruf ausüben zu wollen aus Gründen der Selbstverwirklichung.

Als – nach dem Vortrag – die Diskussion eröffnet wurde, habe ich mich als erste gemeldet und ihn sehr freundlich widersprochen: “Eine Frau arbeitet außerhalb des Hauses nicht nur aus Gründen der Selbstverwirklichung. Es gibt auch andere Gründe…”.

Der MdB hat mich sofort schroff unterbrochen und fragte vorwurfsvoll in die Runde:”Laden Sie immer Ausländer zu ihren Veranstaltungen ein…!?”

Keine Antwort… Kein Mensch hat was gesagt… Schweigen… wie so oft in Deutschland haben die Menschen geschwiegen.

Die Person, die die “Diskussion” (war das wirklich eine Diskussion?) leitete gibt das Wort an einen deutschen Menschen, die eine andere passende, gefügige, nicht kritische Frage gestellt habe. Kein Widerspruch war gewünscht. Auch keine Ausländer.

Kein Mensch hat an diesem Abend noch mal darüber geredet. Die “Initiative Junge Familien” fand anscheinend alles in Ordnung… Am übernächsten Tag oder auch noch später rief ich eine damalige Freundin (sie war – wie ich – eingeladen) an… Sie war die Einzige, die sagte, dass was geschehen ist, nicht in Ordnung war. Das wurde nie mehr von irgendjemanden, der dabei war, thematisiert…  


[1] Die Initiative Junge Familien war eine Initiative von Leute aus Welrich, Zentrum des Opus Dei in Bonn.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s