Das Opus Dei und die AfD (2)

Weil ich denke, reden bzw. schreiben besser ist als schweigen, habe ich am 4. März 2016 den Artikel Distanziere Dich! veröffentlicht. Dort verteidigte ich das Opus Dei vor… ich würde sagen verteidigen vor sich selbst. Ein paar Tage vorher hatte ich – zum selben Thema – den Artikel AfD y el Opus Dei – Una aclaración auf Spanisch veröffentlicht, was mir ein Like bzw ein Herz des Accounts des Opus Dei – Spanien gebracht hat[1].  Also, ich kann nicht so falsch liegen 🙂

Ich habe Distanziere Dich! geschrieben und veröffentlicht, nachdem ich eine Mail zum Artikel Dürfen die Bischöfe sich in den Wahlkampf einmischen? von Michael Schneider-Flagmeyer an die Leitung des Opus Dei in Deutschland am 22 . Februar geschickt habe.

Die Antwort der deutschen Opus Dei- Leitung kam am 9. März und war lakonisch: “die Aussage (ist) korrekt. Also kein Handlungsbedarf besteht/bestand”. Mit anderen Worten, was Michael Schneider-Flagmeyer (eine Art selbsternannter Laienprediger) in dem gegen die Bischöfe geschriebenen Artikel ist – nach der Meinung der Pressestelle des Opus Dei in Deutschland – “korrekt”.

Das gibt mir sehr, aber sehr viel zu denken. Ich habe gehofft, dass es inteligente und mutige Leute im Opus Dei  Deutschland gibt, die  der AfD und Pegida die Stirn bieten. Ich bin tief enttäuscht… Ich betrachte eher als Missbrauch, die Lehre des Opus Dei für die Interessen der AfD auszunutzen.

Die AfD gibt sich als sehr christlich und als Verteidigerin der christlichen Werte aus. Oft sucht sie Kirchen als Kulisse für ihre Demos, wie in Erfurt. So will sie zeigen, dass sie die christliche Identität Deutschlands und Europas gegen “Kulturfremden” oder “Invasoren” verteidigen will.

Na ja, Papst Franziskus hat klar, deutlich und wiederholt erklärt, dass sich die christliche Identität Europas gerade in dem Willen äußert,  anderen Menschen – den Flüchtlingen – zu helfen.  Ja, die Fürsorge für Flüchtlinge ist also Teil unserer christlichen Identität, und das ohne Ausnahme. Erzbischof Marx erklärt klar und deutlich: “Unsere christliche Identität wäre in Gefahr, wenn wir den Flüchtlingen nicht helfen würden”[2].

Ich würde sagen: nicht die Flüchtlinge bedrohen unsere christliche Identität, sie wäre in Gefahr wenn wir unsere Mitmenschen, unsere Brüder und Schwester nicht helfen würden und zwar unabhängig davon, dass sie Christenmenschen sind oder nicht. “Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person”[3].

Ja, in der Aufnahme des bis jetzt Fremden “haben wir den tiefen Sinn des Christentums, der nicht darin liegt, Macht zu erobern oder eine Partei zu gründen. Denn in dem Moment, in dem das Christentum sich als ein Teil innerhalb des Ganzen positioniert, gerät es in Kontrast zu anderen, macht also Gegner aus. Doch die Aufgabe des Christentums heute besteht nicht darin, die eigenen Feinde zu definieren, sondern der Menschheit zu dienen”[4].

Franziskus bei der Verleihung des europäischen Karlpreis: “die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität”[5]. Ja es ist “richtig, dass gerade Papst Franziskus und die deutschen Bischöfe so vehement für die Menschenwürde und die Offenheit gegenüber den Flüchtlingen eintreten und auch in diesem Sinne römisch-katholisch sind”[6]

Erzbischof Schick erklärt: “Die Würde und die Rechte jedes Menschen müssen unabhängig von Rasse, Herkunft, Hautfarbe und Religion anerkannt werden. Die Feindesliebe gehört genauso dazu wie das ständige Bemühen, sich zu versöhnen, eine versöhnte und friedliche Gesellschaft zu bilden. Oder die Seligpreisungen: dass man barmherzig gegenüber jedem ist und dass man auch die Fremden aufnimmt, die in Not sind. Jesus identifiziert sich selbst mit den Heimatlosen. Christliches Abendland heißt: in Europa das, was das Evangelium beinhaltet, leben und in die Tat umsetzen” [7].

Erzischof Koch bemerkt: “Es kann auch ein Ausdruck von Barmherzigkeit sein, unmissverständlich und eindeutig zu reden und deutlich zu machen, wo Grenzen sind, die wir nicht überschreiten werden, etwa im Hinblick auf die Würde eines jeden Menschen, auch des Flüchtlings”. Ja, das sollten wir unbedingt tun gegenüber der AfD und ihren Anhänger und Sympathisanten!

Wenn mehrere Bischöfe uns erklären, dass die AfD für Katholiken nicht wählbar ist, dann höre ich auf die Kirche. Zum Thema AfD sagte Kardinal Marx: “Mir macht insgesamt Sorgen, dass der Rechtspopulismus bei uns immer weiter um sich greift”[8]. Ja, mir auch. Und ich finde sehr traurig, wie weit der Rechtspopulismus in Deutschland gekommen ist: Nämlich in die Mitte der Gesellschaft. Schweigen ist nicht angesagt…! Eine Unterlassung ist in unserer Zeit nicht klug, sondern eher schädlich.

Am 24. April ist das bekannte Video Kardinals Woelki erschienen, wo er klar und deutlich über die AfD spricht. Brauchen wir mehr Lehramt…? Die Wörte und Taten Schicks, Kochs, Neymeyrs, und vor allem Marx’ sind Woelkis Erklärung vorangegangen. Am 25. April, also nach der Rede Kardinals Woelki, habe ich noch eine freundliche Mail an die Herren der Pressestelle des Opus Dei  Deutschland (über die Asesoría, der Dienstweg sozusagen) geschickt und keine Antwort bekommen.

Wenn ich die Aussagen der AfD mit der katholischen Lehre konfrontiere, ist es mir klar, dass beide widersprüchlich, inkompatibel und absolut gegensätzlich sind. Beim besten Willen hätte ich mir nie vorgestellt, dass Leute, die ich kenne und schätze, von denen ich denke, sie sollten fest im Glauben stehen, mal AfD-Sympathisanten werden würden[9]. Sind aus den papsttreuen Rechtgläubigen Rechtsgläubige geworden?[10] Ich kann die Liebe für ein autoritäres Gesellschaftsmodell wie das der AfD nicht verstehen. Die Flucht in eine Parallelwelt, wo alle gleich denken und die Streitkultur keinen Platz hat, ist mir auch sehr schwer zu begreifen.

Die “Ziele und Parolen der fremden- und islamfeindlichen Organisation (hat) nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun”[11]. In seiner Botschaft vom 24. April  stellt Kardinal Woelki fest[12]: “Wer Muslime, so wie die AfD-Parteispitze, verunglimpft, der sollte sich klar machen, dass Gebetshäuser und Moscheen hier genauso durch das Grundgesetz geschützt sind wie unsere Kirchen und Kapellen”. Ja, so ist das. “Eine ganze Religion, ja, eine der großen Weltreligionen wird hier in gehässiger Absicht an den Pranger gestellt”. “Ein Blick in das Grundgesetz hätte gereicht, um festzustellen, dass in Deutschland Religionsfreiheit gelte. So dürfe niemand, weder Christen noch Muslime, aufgrund seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden”[13].

Ja, die Religionsfreiheit – von der das Zweite Vaticanum uns anspricht und ermütigt sie zu verteidigen – gilt für alle. Nicht nur für Christen: “Das Recht auf religiöse Freiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet”[14]. Und weiter: “Dieses Recht der menschlichen Person auf religiöse Freiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, daß es zum bürgerlichen Recht wird”. Das ist ungefähr, was Kardinal Woelki und im vergangenen April eben sagte.

Erzbischof Schick versichert: “Wir haben Religionsfreiheit. Sie ist im Grundgesetz verankert. Menschen müssen ihre Religion leben und auch entsprechende Gotteshäuser bauen können. Religion bedeutet Beziehung zu Gott, der auch im interreligiösen Dialog immer tiefer erkannt wird. Gott ist der eine, der alle Menschen liebt und verbindet, der Gemeinschaft schafft, der Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung für alle weltweit will. Dieser Gott soll im christlichen Abendland bestimmen”[15]

Das Konzil erklärt auch: “Es ist eine offene Tatsache, dass alle Völker immer mehr eine Einheit werden, dass Menschen verschiedener Kultur und Religion enger miteinander in Beziehung kommen und dass das Bewusstsein der eigenen Verantwortlichkeit im Wachsen begriffen ist. Damit nun friedliche Beziehungen und Eintracht in der Menschheit entstehen und gefestigt werden, ist es erforderlich, dass überall auf Erden die Religionsfreiheit einen wirksamen Rechtsschutz genießt und dass die höchsten Pflichten und Rechte des Menschen, ihr religiöses Leben in der Gesellschaft in Freiheit zu gestalten, wohl beachtet werden”[16]. Für mich ist das absolut klar.

Wenn aber eine Partei sich dem Ethnopluralismus anschließt (“jedes Volk bzw. jede Rasse soll möglichst homogen bleiben”[17].” Jedes  Volk (hat) das Recht, seine Gesellschaft von fremden Einflüssen freizuhalten[18]), kann nur die Lehre der Katholischen Kirche und ihr Universalismus ablehnen. Ja, ich frage mich, ob etwas unkatholischer und/oder unchristlicher sein kann als eine Ideologie, wonach die “Herkunftsdeutschen” sich nicht mit anderen Völkern mischen sollen[19]? Ich denke kaum. Übrigens, das Opus Dei in Deutschland lebt von Ausländern/innen, die das Werk in fremden Ländern kennengelernt haben. So ist für mich die Haltung noch unverständiglicher[20].

Vor Jahren habe ich an den Blog Kirchenrecht mitgearbeitet. Vor kurzem habe ich den Blog noch mal gelesen. Vor allem ein Artikel ist mir aufgefallen. Im ersten Kapitel des Artikels des Prälaten Klaus-Martin Becker[21]: Eine Evangelisierung mit Zukunft – Die Personalprälaturen als reale Chance[22] aus dem Jahr 2007 “Die große Herausforderung” klagt Becker schon damals: “nach Istanbul und Ankara ist Berlin inzwischen die drittgrößte Türkenstadt”. Er bedauert die “Entchristlichung unserer Gesellschaft (und) einem beschleunigten Schwund der Christen zu rechnen. Gleichzeitig ist abzusehen, daß unter den Ungetauften die Gruppe der Muslime gewaltig wächst.” Er spricht von einer “ganz besondere(n) Reproduktionsdynamik” und zitiert als Beleg den Autor der Zeitschrift “Neue Ordnung” Hans-Peter Raddatz[23]. Der Begriff “Reproduktionsdynamik” erinnert mich an AfD Höckes “Ausbreitungstyp”.

Was für merkwürdige Thesen. Tja… wenn das kein Nährboden für die AfD war. Von nichts kommt nichts. Wenn ich daran denke, dass in meinem Zentrum in Bonn das erste Sarrazin-Buch kurz nach seinem Erscheinen gesehen habe[24]. Um sich zu informieren, wurde mir erklärt… Ich nenne es lieber eine “Ausweitung der Formulierungszone”[25].

Weiter Prälat Becker: “Parallel dazu vergleiche man die Zuwanderungszahlen: 1973 waren in Deutschland ca 3 Millionen Ausländer, 1990 waren es mehr als 5 Millionen, 1995 bereits 7 und im Jahre 2000 über 8 Millionen. Innerhalb von einem etwa 25 Jahren ist damit der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung von 5 auf 10% angewachsen, Tendenz steigend.” Komisch, ich dachte, die katholische Kirche sei universell. Katholisch bedeutet universell. Und nicht national. Die Ausländer seien kein Problem für die katholische Kirche. Solche Aussagen sind Vorboten der These der “Umvolkung” oder “Umstrukturierung der Gesellschaft”.

Zurück zum Thema Islam, mir scheint es so, dass viele “gute Katholiken” die Erklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen überhaupt nicht kennen oder kennen wollen. Ich glaube nicht, dass die Nächste Liebe lediglich für die christlichgetauften Menschen gilt. Noch weniger nur für die deutschen Staatsangehörigen “Liebe deinen Nächsten, sagt die Heilige Schriftt, und nicht Liebe Deinen Stamm”[26]. Als ob wir getauften die guten wären und die anderen sollen draußen bleiben. Nein, alle Menschen – Christen oder Nichtchristen – sind Träger der Grundrechte.

Auf der anderen Seite, wir Christen sind wachsam gegenüber jedem Unrecht. Wir schauen nicht weg. Wir sind empathisch. Keine Empathie zu haben ist das Gegenteil von Christsein”. Christen bleiben aufmerksam und helfen denjenigen, die sich in Schwierigkeiten befindet. Daran werden wir als Christen erkannt. Lieber eine Globalisierung der Nächstenliebe, wovon Papst Franziskus kritisiert als eine Globalisierung der Indifferenz[27].

Es kann nicht sein, dass “vor allem der Blick auf Gräueltaten von Muslimen gerichtet werden soll (…) dass verfolgte Christen mit dem Grenzübertritt nach Europa von Rechtsgläubigen pauschal unter das Feinbild ‘Asylant’ fallen”[28]. Es kann auch nicht sein, dass ich als IS -Sympathisantin bezeichnet werde, weil ich den Islam mit dem islamischem Terrorismus nicht gleich setze.

Die Kirche darf uns nicht sagen, dass wir eine bestimmte politische Partei wählen sollen, weil diese Partei die Katholiken/Innen repräsentieren würde. Die Kirche kann und muss aber sehr klar und deutlich sich positionieren, wenn eine Partei gegen fundamentale christliche Werte, wesentlich verstößt. Das ist zweifelsfrei der Fall der AfD[29].

Eben weil die Freiheit, die Vielfalt, der Pluralismus und die Toleranz alle Werte sind, die für den Gründer des Opus Dei unglaublich wichtig waren, dürfen wir im Namen einer falsch verstandenen Toleranz eben nicht die Intoleranten verteidigen, sie nicht legitimieren, als ob sie eine ganz gewöhnliche politische Partei wären. Das sind sie nicht.

Rechtspopulistische intolerante Parteien sind kein geringes Übel. Die sind eher ein großes Übel. Ich frage mich: Wo ist die leidenschftliche “Liebe zum Pluralismus, den die Freiheit mit sich bringt”[30] geblieben ist, wenn man nicht leidenschaftlich Freiheit, Toleranz, Demokratie, Vielfalt und Pluralismus verteidigt?

1941 fuhr der Gründer des Opus Dei mit dem Taxi durch Madrid und unterhielt sich mit dem Taxifahrer. Es waren bewegte Zeiten für Europa. Der II. Weltkrieg tobte. Seit 1936 herschte in Spanien Franco (bis 1975). Also keine Demokratie im Sicht, Jahrzehnte vor dem II. Vatikanum. Escrivá sprach mit dem Taxifahrer und bedauerte den Bürgerkrieg in Spanien (1936-1939) und den damaligen Hass zwischen Geschwistern.

Er meinte, dass es vernünftig ist, dass jeder seine Meinung äußert: “Zum Beispiel, wenn Sie eine bestimmte Meinung zu einem Thema habem, und andere eine andere Meinung haben. Sprechen wir uns aus und wenn Sie mich davon überzeugen, werde ich auch ihre Meinung teilen. Wenn wir uns nicht gegenseitig überzeugen, denken wir weiter, was wir gedacht haben, wir respektieren uns gegenseitig und leben im heiligen Frieden”.

Der Fahrer hörte zu und fragte: “Sind Sie in Madrid während des Bürgerkrieges geblieben, als die Stadt von den republikanischen Truppen besetzt wurde?”. Escrivá antwortete mit einem Ja. Der Taxifahrer sagte: “Schade, dass sie Sie nicht getötet haben!”.

Ich will nicht Komplize des Taxifahrers werden. Ich möchte nicht schweigen, wenn der Taxifahrer seinen Mund voller Hass öffnet. Diese Empathielosigkeit und dieser eklatante Mangel an Nächstenliebe[31], die Indifferenz gegenüber den anderen Menschen reizt mich, zu sprechen und zu schreiben. Ich würde gegenüber dem Taxifahrer auf keinem Fall stumm bleiben. Wehe mir, wenn ich nicht rede! Nein, diese Einstellung ist nicht “korrekt” und wird durch den Pluralismus nicht gedeckt.


[3] Paptsrede bei der Verleihung des Karlpreis.  Die Papst-Ansprache im Wortlaut: Was ist mit dir los, Europa? 

[4] Papstinterview in La Croix. Übersetzung ins Deutsch aus „Franziskus umsegelt Europa, um sein Inneres zu erfassen“

Auf Englisch und auf Französisch

[5] Paptsrede bei der Verleihung des Karlpreis, Text: Die Papst-Ansprache im Wortlaut: Was ist mit dir los, Europa? 

“Die Wurzeln unserer Völker, die Wurzeln Europas festigten sich im Laufe seiner Geschichte. Dabei lernte es, die verschiedensten Kulturen, ohne sichtliche Verbindung untereinander, in immer neuen Synthesen zu integrieren”.

[9] Sogar eine Bekannte aus meinem ehemaligen Zentrum hat sich mir gegenüber als Pegida- Sympathisantin geoutet. Na ja, wenn ich denke, dass Jürgen Liminski Autor der “Jungen Freiheit” ist und Frau Kositza lobt…. (Jürgen Liminski – Laudatio auf Ellen Kositza 1 und Jürgen Liminski – Laudatio auf Ellen Kositza 2).

Auf der anderen Seite wurde ich im September 2015 zurechtgewiesen, weil ich angeblich “etwas gegen Birgit Kelle und gegen Putin” (!) als Status in Facebook geschrieben haben soll. Mir wurde nicht gesagt, was oder wann. Mit anderen Worten, es wurde versucht, mir einen Maulkorb zu verpassen. Übrigens: Auch ich liebe Russland. Genau deshalb wünsche ich mich ein Russland ohne Putin.

[10] So weit ich weiß, war Andreas Püttmann der erste, der über das Thema “Rechtsgläubigkeit und Rechtgläubigkeit” sprach. Und zwar in Christ und Welt Falsche Verbündete

[18] Die Vorboten der rechten Revolution “Fremde Einflüsse werden als Gefährdung der eigenen kulturellen Identität wahrgenommen. Kritiker sehen im Ethnopluralismus einen Rassismus ohne Rassen, da wesentliche Merkmale des klassischen Rassismus auch im Ethnopluralismus zu finden seien, dieser jedoch auf historisch vorbelastete Termini wie eben den Rassenbegriff verzichte”

[21] “Unter ihnen war Klaus Martin Becker, der erste Numerarier”, aus einem Artikel in Gloria TV. Es ist interessant, den Artikel über Gloria TV in Wikipedia zu lesen.

[23] Raddatz wird von PI und Idea reichlich zitiert. Junge Freiheit veröffentlicht oft seine Texte wie dieJüdische Allegemeine beklagt.

Siehe sein Vortrag mit dem suggestiven Titel Expansion des Islam in Europa, gehalten bei einer sog. Bürgerbewegung Pax Europa, die von bayerischem Verfassungsschutz observiert wird: “Bei der BPE Bayern handelt es sich um eine verfassungsschutzrelevante islamfeindliche Bestrebung außerhalb des Rechtsextremismus, die den Islam insgesamt als „vorsteinzeitliche, nazistische und frauenverachtende Ideologie“ ansieht”. Siehe Pressemitteilung aus aktuellem Anlass

[24] Andere Bücher, die ich bei meinem letzten Besuch in meinem Zentrum auf dem Tisch gesehen habe waren zum Beispiel “Russland verstehen” von Krone-Schmalz und “Gender Gaga” von Kelle. Alternativen gab es nicht. 

[26] Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 1975, S. 146.

[28]  Bednarz / Giesa, “Gefährliche Bürger”, Seite 133.

[29] Interessant ist das Parteiprogram der AfD zu lesen. Danke an correctiv für das uploaden

[30] Vgl. Escrivá, Gespräche, Nr. 98 und viele anderen Stellen.

[31] Cfr. Bednarz / Giesa, “Gefährliche Bürger”, Seite 133.

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Bye bye…

Ja, ich habe das Opus Dei verlassen. Nach über 30 Jahren war es für mich nicht einfach. Als die Leute mich fragten “warum?”, habe geantwortet: wegen der klerikalen Mentalität und der fehlenden laikalen Mentalität. Ich möchte euch ein wenig mehr darüber erzählen. Es fällt mir nicht einfach diese Zeilen zu schreiben. Es ist für micht schmerzhaft. Ich habe mich entschieden, euch das Wesentliche zu erklären[1]. Ich schreibe lieber einen Blogbeitrag. Vielleicht kann ich doch ein wenig helfen.

Tja, man sagt, dass wir Chilenen besonders laikal, säkular seien. Und dass  die chilenischen Mitglieder des Werkes noch laikaler sind. Ich würde sagen, irgendwann – nach 20 Jahren in Deutschland – hatte ich genug von der Einheitsparteimentalität, die ich eingeatmet habe.

Der Gründer des Opus Dei sagte oft: “Ein Gegenstand, der für die einen konkav ist, ist für andere konvex. Vieles hängt vom Blickwinkel ab, und es ist nötig, dass solche Blickwinkel, solche Teilwahrheiten, sich addieren”. Davon, also von dieser Einstellung habe ich leider in meinen deutschen Jahren sehr wenig gesehen. Der Geist des Opus Dei ist ein Geist der Offenheit, der Vielfalt, der Toleranz, des Pluralismus. Ich habe aber sehr lange diesen Geist nicht gesehen…

Wir sind frei, um zu denken, was wir wollen, das hat Escrivá betont. Er sprach von der Freiheit der Kinder Gottes. “In keiner Weise mischt sich das Opus Dei in die rein zeitlichen Belange ein. Wenn jemand dies nicht versteht, dann vielleicht deshalb, weil er die persönliche Freiheit nicht begreift oder weil es ihm an Unterscheidungsvermögen fehlt”. Wie ich diese Zeilen liebe…”[2]. Und wie leid es mir tut, dass diese Freiheit nicht gelebt wird. Ich bin als Freigeist erzogen worden, und ich dachte der Pluralismus sei beim Opus Dei nicht nur toleriert, sondern stark gewollt worden. Keine Intoleranz oder Fanatismus[3]. Und das im vollen Einklang mit dem Vatikanum II.

Ich wurde oft getröstet: “die Leute kommen aus einem klerikalen Milieu, durch unsere Ausbildung werden sie irgendwann aber verstehen”. Ich habe genau das Gegenteil beobachtet. Man kann von Menschen, die in einer absoluten klerikalen Gesellschaft aufgewachsen sind, die Freiheit der Kinder Gottes (in den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Philosophie, Lebensart, usw.) verstehen und leben, nicht verlangen.

Es kann nicht sein, dass jemand aus der Asesoria (Leitung der Frauen) nach Kreuzweingarten (Einkehrhaus) fährt und dort die Damen einlädt, eine Petition gegen die Doppelte Staatsangehörigkeit zu unterschreiben. Das war zu der Zeit der Kampagne “Kinder statt Inder”. Das kann sie in ihrer “Freizeit” tun, aber nicht als Vertreterin der Leitung des Opus Dei in Deutschland nebenbei.

Dass ich andauernd, von Numerarier/Innen Mails zur Unterstützung von Frau von Beverförde und ihrer politischen Anliegen bekommen habe, ist auch nicht in Ordnung.

Als vor kurzem eine meiner Schwestern sagte, dass sie Pegida gut findet, war da für mich eine rote Linie überschritten[4].

Vásquez de Prada erzählt in seinem Buch, dass der Gründer (Dialog mit einem Taxifahrer) sagte, dass wir alle verschiedene Meinungen haben können, wir können darüber reden (debattieren) und uns untereinander überzeugen oder auch nicht. Wenn wir uns nicht gegenzeitig überzeugen, sind wir auch glücklich, bleiben wir weiter befreundet und leben im Frieden Gottes miteinander, auch wenn wir anderer Meinungen sind. In meinen Augen ist das das Fundament der Demokratie. Als ich einen Vortrag gehalten habe, wusste kein Mitglied des Werkes über diese “Anekdote” Bescheid. Über diese pluralistische Haltung habe ich in den letzten Jahren sehr wenig gesehen.

Jahrelang habe ich in der jährlichen Tagung darunter gelitten, dass beim Mittag- und Abendessen, beim Kaffetrinken, Spaziergängen usw. die Themen der Damen vorwiegend kirchlicher Natur waren. Kinder und Küche waren auch beliebt. Für mich super langweilig. Übrigens, als Laienorganisation ist die Geschichte des Werkes nicht die Geschichte seiner Priester. Politik war lange Zeit ja ein Männerthema. Allerdings waren alle auf der konservativen Linie der CDU[5].

Und das bis vor ein paar Jahren… Heute ist die “Merkel-CDU” ja nicht mehr konservativ genug. Anfang der 90er Jahren habe selbst erlebt, was jemandem geschieht, der sich traut, eine andere Meinung zu äußern. Siehe:  “Laden Sie immer Ausländer zu ihren Veranstaltungen ein…!?” (Die Initiative Junge Familien war eine Initiative von Leute aus meinem Zentrum).

In den letzten Jahren wurde das Thema Islam zunehmend für mich ein Problem. Ich habe mehrmals “Nostra Aetate” gelesen und versuche sie zu leben. Jutta Burggraf hatte über die Multi-Kulti-Gesellschaft[6] geschrieben. Ihre Artikel waren und sind für mich ein Leuchtturm. Ich lebe in einem Viertel mit vielen Muslimen, für mich ist das kein abstraktes Thema..

Irgendwann auf meiner jährlichen Tagung behauptete der Priester während des Theologieunterrichts, dass Mohamed seine Verkündigungen direkt vom Teufel  erhalten habe. Das war mir echt zu viel. Ich war die einzige Tagungsteilnehmerin, die sich gemeldet hat und ihm in freundlicher Weise widersprochen hat und die Nostra Aetate erwähnte.

Allmählich fand ich nicht mehr lustig, dass spanische Mitglieder des Werkes mit, denen ich zu tun hatte, andauernd despektierlich über die “Moros” sprachen. Eine aus einem amerikanischen Land stammende Numerarierin hat mir anvertraut, dass sie entsetzt war über alles, was in dem Studienzentrum über Muslime und andere Ausländer gehört hat. Übrigens, sie heißen Muslime und nicht Mohamedaner.

Als jemand mich fragte, ob ich glaube, dass die “Moros” unsauber sind, fand ich das einfach krank. (Als Juristin weiß ich, dass die “Mauren” es eben waren, die das Wasserrecht nach Spanien brachten. Das bedeutet,  die “Mauren” hatten ein Regelwerk über die Wasserbenutzung – unentbehrlich für die Landwirtschaft – an die Spanier weitergegeben).

Dass eine muslimische junge Frau (Grüne) in meinem Zentrum mal war, fand ich gut. Das war leider eine einmalige Sache. Alles was nicht erzkonservativ ist, hat wenig Platz. Das ist nicht richtig, denn das Opus Dei durfte sich nicht mit einer bestimmten politisch-kulturellen Richtung, Lage oder Gruppe identifizieren, sondern sollte pluralistisch, vielfältig und offen für alle sein. “Sich wie ein Fächer öffnen” wo alle einen Platz haben können, sagte der Gründer.

Die Thematik der Ökumene war für mich auch ein Thema. Für die anderen aber keins. Für den Gründer des Opus Dei war die Ökumene auch äußerst wichtig.[7] Jutta Burggraf hatte ein Buch zu diesem Thema geschrieben.[8] An diesem Buch habe ich auch mitgearbeitet.

Aber gerade in Deutschland – dem Land der Reformation – kannte niemand zum Beispiel die “Gemeinsame Erklärung zur lutherisch-katholischen Verständigung in Fragen der Rechtfertigungslehre”. Von interkonfessionellen Dialog war auch nie die Rede[9]. Als ich vorgeschlagen habe, die gemeinsame Erklärung zu lesen, wurde mir gesagt, dass es nicht nötig ist… In diesen ganzen Jahren in Deutschland, habe ich in den “Bildungsmittel” nie über Ökumene gehört, es wurde kein Wort darüber verloren. (Mein Mann wurde durch mich evangelischer Mitarbeiter). Am Anfang meines Lebens in Deutschland wurde mir sogar empfohlen, nicht an evangelischen Gottesdiensten teilzunehmen, meinen Mann dort hin nicht zu begleiten, da “du in diesem Fall mitmachst”.

In den 90er und in den Nullerjahren war in jedem Vortrag die Rede über “die Gefahren des Internets”. Das ist auch sehr typisch für eine alternde Gruppe: Überall vor Gefahren zu warnen und nicht die Chancen zu sehen. Ich habe mich immer dagegen erfolglos gewehrt. Überall sieht man Gefahr, überall ist alles oder vieles negatives… Sorry, aber das ist nicht der Geist des Opus Dei. Das ist nicht laikal, das ist nicht säkular. Das nenne ich eher Kulturpessimismus.

Irgendwann haben aber die deutschen Mitglieder Facebook entdeckt. Wie sich die Leser/innen vorstellen können, äußerte ich meine Meinung zu politischen, kulturellen oder ähnlichen Themen. Die Folge war, dass manche von denen, die mit mir “befreundet” waren, andauernd meine fragende oder kritische Bemerkungen löschten oder mir nicht “besonders nette” Privatnachrichten schickten. Mit anderen Worten, wenn sie nicht mit mir einverstanden waren – das passierte sehr oft -, statt sich öffentlich mit mir zu unterhalten, schickten sie mir Privatnachrichten. Von Streitkultur keine Spur…

 “Aber Gott hat das Opus Dei nicht dazu entstehen lassen, dass die Rechtgläubigkeit in der Kirche bewahrt werde, sondern um den Menschen klar zu machen, dass diese Welt, in der wir leben, gut ist, und dass die Menschen in ihr Gott finden können und sie durch eine gemäße Handhabung der irdischen Wirklichkeiten in Kontakt mit Gott treten”. [10] Mittlerweile habe ich verstanden, dass viele Leute mehr interessiert waren, eben eine vermeintliche Rechtsgläubigkeit zu bewahren, als den Geist des Opus Dei in die Welt zu brigen.

Die Welt der Arbeit, unsere Welt, die Welt von heute, davon war kaum die Rede – obwohl die Heiligung der Arbeit zum Kern des Werkes gehört. (Ich habe in den letzten Jahren einen Vortrag über die Arbeit gehalten, mehr zu diesem Thema habe ich kaum gehört). Die Bezeichnung “das Werk” stammt von dem Begriff Werkstatt und nicht von dem des Netzwerkes, wie irrtümlicherweise manchmal behauptet wird. Das Opus Dei als ein Netzwerk zu sehen, wäre absolut falsch und ein unerlaubtes und unethischer Versuch, eine geisltiche Organisation zu instrumentalisieren.

Es kann nicht nicht sein, wenn die Person, die den Kreis hält, eben nicht aus den Schriften des Gründers oder des Prälaten liest sondern aus der erzkonservativen Zeitschrift “Vatikan” (ist der Name so oder ähnlich?) vorliest bzw. zitiert. Es kann auch nicht sein, dass in einem Kreis über gute und schlechte Bischöfe gesprochen wird. In der Kirche soll es keine Parteien (Kapellchen, “capillitas” nannte sie der Gründer[11]) geben. Wir sind weder von Paulus noch von Apollos, würde ich sagen[12]. Die “katholische Zeitung” für Deutschland “Tagespost” liegt überall in den Häuser ‘rum.  Ich würde sagen, das ist nicht die Lektüre für einen laikalen Mensch.

Beiträge aus Kath.Net – die ich in meinen Zentrum bekommen habe – sind auch nicht die Lektüre eines säkularen Menschen, der mitten in der Welt lebt und seine Zeit liebt. Als ich zum letzten Mal in meinem Zentrum war, lag auf dem Tisch ein Exemplar der Zeitschrift “Die Neue Ordnung”, dessen Chefradakteur Wolfgang Ockenfels auch “Junge Freiheit”[13]-Autor ist. Keine Medien, die wir als Prachtexemplare bezeichnen können in der Verteidigung der Offenheit, der Toleranz und des Pluralismus.

Jutta Burggraf hat sehr viel zum Thema Gender geschrieben. Ich habe für sie darüber recherchiert. Ich bin keine Expertin, weiß aber, worum es geht und habe auch die Schriften von Jutta zum Thema Gender korrigiert.

Aber die Art und Weise, in der heute zum Thema Gender gesprochen wurde finde ich nicht richtig[14]. Ich habe die Meinung von Birgit Kelle in Internet gelesen und ein paar ihrer Vorträge in youtube gesehen[15]. Anfang des Jahres 2015 war sie im Zentrum “Müngersdorf” und hat dort einen Vortrag gehalten und wurde gelesen und hochgelobt. Es ist mein gutes Recht, mit den Ideen von Frau Kelle (auch Autorin der “Jungen Freiheit”) nicht einverstanden zu sein. Das macht aus mir keine Ketzerin oder was ähnliches. Ich bin für die Frauenquote und denke nicht, dass sie “das perfideste Instrument zur Unterdrückung der Frau” sei.

Außerdem denke ich, dass es keine typischen Frauen- bzw. Männerberufe gibt. Ich finde total in Ordnung, dass eine Frau beruflich arbeitet und dass sie und ihr Mann die Kinder in eine KiTa schicken. Ihre abschätzige Facebook-Kommentare über Homosexuelle kann ich nicht teilen[16].

Ich denke auch nicht, dass Jungen und Mädchen, Frauen und Männer so unterschiedlich sind; ich weiß. dass, das eine Art Dogma ist. Ich war in einer gemischten Schule und habe weder Traumata noch andere Probleme. Ich habe meine Kinder “geschlechtsneutral” erzogen und sie sind gut “gelungen”. Übrigens, diese ewigen Diskussionen mit meinen Brüder und Schwester darüber, ob eine verheiratete Frau (eine Single hat ja auch keine Alternative) arbeiten darf oder nicht, sind im 21. Jhdt. absoluter Unsinn.

Das Thema Familie ist wichtig, aber es kann auch nicht sein, dass die Familie eine Art Religion wird. Der Familialismus ist für mich das absolute Gegenteil einer gesunden Familie[17]. Vor einigen Jahren wurde ich zurechtgewiesen weil ich Eva Herman nicht gut fand, weil ich mit ihr  nicht einverstanden war.

Als ich mal etwas wahrscheinlich zu diesem Themenkomplex in einem einfachen Facebook-Status geschrieben habe, wurde ich schroff zurechtgewiesen[18]. Erstaunlicherweise wurde mir nicht gesagt, was ich genau geschrieben haben soll[19]. Nur im allgemeinen etwas gegen Frau Kelle und gegen “die” Russen bzw. Putin… Wie bitte! 😛 [20].

In den letzen Jahren scheint die “Gender-Ideologie” das wichtigste Thema zu sein. Die Gender-Thematik kann Angelegenheit für Spezialisten/innen sein, ist aber nicht wesentlicher Teil des katholischen Glaubens. Sie kann auch nicht die wichtigste Frage sein. Von Gender Mainstreaming will ich wirklich nicht mehr hören. Von einem Mainstream der Medien auch nicht[21].

Es gibt viel Wichtigeres als altbackene Themen und sinnlose Debatten! Papst Franziskus lenkt die Kirche in eine andere Richtung…! Ich möchte keine Zeit und keine Energien mehr verlieren.

Ich denke stark an seine Wörter in “Evangelii Gaudium” 63: “der selbstbezogene und prometheische Neu-Pelagianismus derer, die sich letztlich einzig auf die eigenen Kräfte verlassen und sich den anderen überlegen fühlen, weil sie bestimmte Normen einhalten oder weil sie einem gewissen katholischen Stil der Vergangenheit unerschütterlich treu sind. Es ist eine vermeintliche doktrinelle oder disziplinarische Sicherheit, die Anlass gibt zu einem narzisstischen und autoritären Elitebewusstsein, wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im Kontrollieren verbraucht”.

Allmählich wurde die Welt, unsere Welt, unsere Zeit, die Gesellschaft, Europa so schlecht gemacht, dass man sich wie die Rebellen vor dem Todesstern fühlen konnte. Statt eine hoffnungsvolle und optimistische Weltsicht zu verbreiten (wie der Gründer es tat), wurde eine düstere Darstellung der Welt. Weltfremdheit und Kulturpessimismus sind so vorprogrammiert.

Ich hörte immer wieder, wie schlecht unsere Welt ist. Wie kann ich eine Welt lieben, die so schlecht ist. Ja ja, früher war alles besser. Wenn ich meine Zeit nicht liebe, bin ich nicht laikal. “Der säkulare Mensch wehrt sich nicht gegen das Neue. Er weiß, dies gehört dazu, zur Geschichte. Die Geschichte ist der zeitliche Raum, in dem sich die Existenz abspielt. Eine positive Haltung zur jeweiligen geschichtlichen Zeit, mit ihren Bräuchen, ihrer Denkweise, ihren Kulturausprägungen (…) gehört zum Wesen der säkularen Haltung eines konsequent denkenden Christen in der Welt. Denn ‘Gott ist uns in allem gleich geworden außer der Sünde’ “.

Unsere Gesellschaft ist nicht schlecht. Mit Gauck denke ich, “Dies ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir jemals hatten”[22]. Ich denke, es gibt schlechte, aber auch gute Dinge in unserer westlichen Gesellschaft, es gehört aber zur “katholischen Nase”, diese Gabe der Unterscheidung zu realisieren.

Manchmal gegen den Strom schwimmen, manchmal aber mit dem Strom. Manchmal ist es gut und notwendig als Christ oder Christin gegen den Strom zu schwimmen, Geisterfahrer/in zu werden, das brauchen wir aber nicht. Eine infantile trotzige Haltung ist nicht unser Weg. Wenn aber alles so schlecht ist, braucht man nichts zu unterscheiden. “Unsere Welt verändert sich ständig, dies gehört zu ihrem Wesen. Wer dies nicht sehen will und immer nach dem Alten fragt, als hätte die Geschichte ihm etwas gestohlen, der ist und denkt nicht säkular”.

Ja, wer die eigene Zeit nicht liebt, liebt auch nicht die Welt. “Die Liebe zur Welt ist nicht statisch zu verstehen. Sie umfängt die Welt in ihrer dynamischen Struktur. Wichtiger Bestandteil der Welt ist ihre Veränderbarkeit”. Die Liebe zur Welt ist wesenstliches Teil des Charisma des Opus Dei. Das wollte leider kaum jemand hören.

Wer sich in eine Art Parallelwelt einkapselt, ist nicht nur nicht attraktiv, sondern verlässt den Weg des Opus Dei. Der Gründer empfiehlt uns unsere Welt zu lieben, die Welt und keine Parallelwelt. Ich liebe die Welt, ich bleibe in der Welt 🙂


[4] Wenn in meinem Kreis darüber gesprochen wird, dass ein Jounalist über ein Kind (Enkelsohn eines Freundes von ihm) behauptet, dass das Kind wie ein “Türkenkind” aussieht und alle lachen darüber (allgemeine Heiterkeit) – das ist zumindest Alltagsrassismus. 

In diesem Moment, dachte ich noch mal an den Escrivá. Er hat Mitglieder des Werkes in Rom stark zurechtgewiesen, als sie über einen Schwarzen lachten, den sie auf einem Foto sahen. Er erklärte ihnen, dass alle Menschen Kinder Gottes sind und man darf niemanden aus rassistischen Gründen auslachen.

Mich hat  besonders schockiert, dass über Jahre hinweg das Buch von Thilo Sarrazin “Deutschland schafft sich ab” erst im Wohnzimmer des Hauses, und danach in Sekretariat zu sehen war. Ich weiß, dieses Buch nicht kritisch gelesen wurde, sondern um “sich zu informieren” – wurde mir erklärt, als ich fragte.

[5] Irgendwann kamen Freunde (Männer) zu mir nach einem Einkehrtag und sprachen begeister von einem Mann, der teilgenommen hat und munter über Ernst Jünger erzählt hat. Er war ein “Jünger-Fan”.

[6] Buch: “Vivir y convivir en una sociedad multicultural”. Meine Kurzrezension in Istmo, México.

[7] “Heiliger Vater, im Werk haben schon immer alle Menschen, ob sie nun katholisch sind oder nicht, einen Platz gefunden, an dem sie sich wohlfühlen; den Ökumenismus habe ich nicht erst von Eurer Heiligkeit gelernt”. Escrivá, Gespräche, 22.

[9] Apropos “Wir beten zu Gott, unserem Vater, dass ein aufrichtiger Dialog unter den Menschen verschiedenen Glaubens wirklichen Frieden und wahre Gerechtigkeit hervorbringe” ist die Allgemeine Gebetsmeinung des Papstes Franziskus für Januar 2016.

[10] Säkularität Immer wenn ich ein Zitat zwischen “Anführungszeichen” schreibe und keine Fußnote schreibe bzw. keinen Link setze, habe ich den Text aus diesem Artikel entnommen.

[11] Als Clique übersetzt, Weg 963.

[12] 1.Korinther 3,5

[13] Die “Junge Freiheit” hat bekannterweise diese unselige Scharnierfunktion zwischen Ultrakonservativismus und Rechtsextremismus. 

[14] Dass ein Priester in einem Theologie-Unterricht den Witz erzählte, “wenn man Claudia Roth sieht, hat man einen guten Grund schwul zu werden” fand ich abartig und unwürdig eines Priesters.

[15] Anfang Januar 2016 in der “Welt” eine Antwort zu Kelles Äußerungen zur Silvesternacht in Köln; Warum wir dieses Mal keinen #aufschrei brauchen. Ich bin mit Hannah Lühmann absolut einverstanden und kann ihren Leitartikel nur empfehlen.

[16] Als ich in Santiago lebte, lernte ich die Liebe und Respekt zu Homosexuellen von einem Mitglied des Opus. Sie war eine Sachbearbeiterin in einer großen Firma, die versucht hat, einer lesbischen Freundin zu helfen. Und sie hat sich sehr geärgert, als die Freundin diskriminiert wurde und ihre Arbeit verlor, weil sie Lesbin war.

[17] Die Seite erziehungstrends . net habe ich vor langer Zeit nicht mehr gelesen. Es lohnt sich wirklich nicht.

[18] Die Person, die mit mir darüber gesprochen hat, hat keinen Facebook-Account. Als ich fragte, wie sie dann meine Status lesen konnte,  antwortete sie: “Ich habe mich mit einem fremden Account angemeldet.” 

[19] Ein Freund von mir kommentierte: “wie bei des spanischen Inquisition, wo du nicht wusstest, was oder wo du etwas falsch gemachat hast, wurdest aber beschuldigt”.

[20] Auf dem Tisch in meinem Zentrum lagen im Wohnzimmer sowohl die Bücher von Kelle und von der Putin-Versteherin Krone-Schmalz.

[21] Dass ein Priester versucht, mich zu überzeugen, dass die Medien “von oben”, von “bösen Kräften” kontrolliert werden, fand ich grausam verschwörungstheoretisch.

La prohibición de matar en el Islam

Ebrahim B. es un ex-guerrillero, que volvió a Alemania desde Siria, luego de desertar del IS[1]. Actualmente, sometido a juicio en el Norte de Alemania. El joven de Wolfsburg  considera que su enrolamiento en esa organización, ha sido el mayor error de su vida. Dió una entrevistas a la televisión alemana, donde cuenta cómo es realmente la vida en el Islamic State. El video más completo es este, aparecido en el programa de televisión Panorama.

En el minuto 26, el joven se pregunta si la gente del Islamic State no conoce el verso del Corán que dice: “si tú matas a un inocente, serás castigado como si hubieras matado a toda la gente del mundo”. En otras traducciones leo: “matado a toda la humanidad”, traducción que me parece más apropiada.

Barack Obama citó este verso, en su discurso de febrero de este año[2]. El presidente norteamericano contradice el intento del Islamic State de fundamentar sus crímenes en el Islam: “clérigos y eruditos musulmanes -respetados no sólo aquí en los Estados Unidos, sino en todo el mundo- aclaran que esta es una interpretación retorcida de su fe. Ellos dejan muy claro lo que el Islam representa. Estamos unidos por/con algunos de estos líderes en la actualidad. Estos líderes religiosos y académicos predican que el Islam llama a la paz, a la justicia y a la tolerancia hacia los demás, que el terrorismo está prohibido: el Corán dice cualquiera que mate a un inocente, es como si hubiera matado a toda la humanidad. Esas son las voces que representan a más de mil millones de personas en todo el mundo”. (La traducción es mía).

No sé si Rhonheimer -que postula que, en el Islam, existe una licencia para matar– conoce este texto del Presidente de los EEUU. O los de Bush citanto este mismo verso del Corán[3].

Personalmente, estoy lejos de pensar ingenuamente que todas las religiones -incluyendo la mía propia- sean instancias sembradoras únicamente de paz, de amor, de luz y de alegría… Después de ver todo lo que he visto, de leer todo lo que he leído y de escuchar todo lo que he escuchado en los últimos años, me temo que estaba equivocada: cada religión, incluso la cristiana, puede conducir también al fanatismo o llevar al odio, a la violencia y a la muerte (Even words can kill). Sí, Breivik y Abdelhamid Abaaoud son una -lamentable, pero muy real- prueba de ello.

La frase citada, del Corán 5,32, dice textualmente: “Por esta razón, prescribimos a los Hijos de Israel que quien matara a una persona que no hubiera matado a nadie ni corrompido en la tierra, fuera como si hubiera matado a toda la Humanidad. Y que quien salvara una vida, fuera como si hubiera salvado las vidas de toda la Humanidad. Nuestros enviados vinieron a ellos con las pruebas claras, pero, a pesar de ellas, muchos cometieron excesos en la tierra”.

Es significativo que este versículo se refiera a los Hijos de Israel. No olvidemos que los musulmanes no niegan la revelación bíblica, no la rechazan, la aceptan. Para ellos, el Antiguo y el Nuevo Testamento siguen vigentes. Moísés, Mahoma y Cristo son sus profetas[4]. La religión del Islam[5] considera que tiene su origen en Abraham. Por eso, se habla de las religiones abrahamíticas, para refrirse a la religión judía, al cristianismo y al Islam. Los musulmanes ven en Moisés (el del Decálogo o Diez Mandamientos, con su prohibició de matar) y en Jesucristo a dos de sus tres más importantes profetas. Mahoma no “derogó” ni el Antiguo, ni el Nuevo Testamento. Él pensaba haberlo llevado a su plenitud. En el mundo del derecho, diríamos que el Islam no derogó las antiguas revelaciones, sólo que la última tiene supremacía.

Tayfun ‏@Demtayy -a quién comozco de Twitter, actual expresión de nuestra inteligencia colectiva- me recomienda varias suras, no sin advertirme que no sirve mucho sólo simplemente enumerarlas[6]. El Corán 17,33 dice “No matéis a nadie que Dios haya prohibido, sino con justo motivo”. Contiene la prohibición de matar, salvo excepciones. Tayfun me explica que las excepciones son dos: cuando se está en una guerra y en defensa propia.

Otros, critican que la prohibición de matar del Corán, se circunscribiría sólo a los creyentes musulmanes. Rhonheimer dice que los musulmanes no tiene la obligación de respetar la vida de los no creyentes, con excepción de los dhimis[7], esto es, de los protegidos -judíos y cristianos- quienes estaríamos obligados a pagar el impuesto al dhimi… Esto me recuerda al impuesto a los judíos que existió durante muchos siglos en Europa.

Si el verso que menciona Ebrahim B. protege realmente a todas las personas o sólo a los musulmanes, es algo sobre lo que yo no puedo decir la última palabra, ya que no soy estudiosa del Islam. Pero si hay tantos musulmanes que nos dicen que sí se refiere a toda la humanidad, ¿quién soy yo para ponerlo en duda?

Aiman Mazyek, presidente del Comité central de los musulmanes en Alemania, dice que el Islamic State está en una cruenta guerra contra la humanidad. Lo que me hace pensar nuevamente en Corán 5,32. Mazyek hace ver que la radicalización de los jóvenes tiene lugar hoy en internet, no en las mezquitas, donde ellos consideran que se enseña un “islam tibio”. Los reclutas del IS en Europa los convencen que en ellas se enseña una religión tibia…

Ebrahim B. lo ratifica en el video, cuando confiesa que los jóvenes guerrilleros no tienen idea del Islam; dice que la religión nunca fue tema para ellos. El joven ex-combatiente se pregunta -y llama a los eventuales candidatos a guerrilleros del IS a preguntarse- ¿por qué su papá u otros hombres, que desde hace treinta años rezan y ayunan, no se enrolan en el IS? ¿Soy yo, más o mejor musulmán, mejor que mi piadoso papá? La respuesta es obvia: no. Como comentaba alguien en Twitter, los jóvenes alemanes que van a pelear a Siria, tienen -en el mejor de los casos- un “Islam For Dummies”, comprado en Amazon antes de partir.

Navid Kermani hace ver, en su memorable discurso en la Paulskirche[8] (Iglesia de San Pablo) en Frankfurt, que el IS expresa una forma de wahhabismo que se impuso en el siglo 19 en Arabia Saudita y que rompió -con gran crueldad- con toda la tradición musulmana anterior, con la piedad popular, con el sufismo, con la poesía.

Al escuchar sus palabras, pienso en el papá de Ebrahim. El wahhabismo rompió con el pasado -más ilustrado que el presente- no sólo en el plano intelectual, sino también en el físico: a partir de la irrupción wahabbista, al asesinato de líderes sufis, se sumó la destrucción de sus monumentos, de sus edificios históricos. Incluso la casa de Mahoma fue destruida y se construyeron baños públicos en su lugar. Es lo mismo que se ve en Palmira hoy, es la lógica consecuencia y continuación por lo iniciado ya en Saudiarabia, explica Kermani.

Sobre los profesores y profesoras de universidades occidentales, aclara el autor alemán que han sido los mismos profesores occidentales (entre ellas, la alemana Annemarie Schimmel) quienes han preservado los escritos sufistas y de religiosidad popular[9]. Dice que el IS no está en guerra contra Occidente, sino que está en guerra contra el Islam. La resistencia a la locura destructora del IS, del wahhabismo-salafismo, se levanta hoy no en los países árabes, otrora núcleo del Islam, sino en su periferia: en Asia, en Sudáfrica, en Irán, en Turquía y no en último término, entre los musulmanes en Occidente que desarrollan un nuevo pensamiento religioso.

En África, el Papa Francisco, esta semana, en un encuentro ecuménico con representantes de diversas religiones, en Kenia, insiste en que, “con demasiada frecuencia, se hace de los jóvenes, extremistas en nombre de una religión”[10]. Dice que el nombre de Dios nunca puede ser utilizado, nunca se puede abusar de él para justificar el odio y la violencia. Frente a los atentados barbáricos del IS en Nairobi el 2013, el Santo Padre llama al diálogo interreligioso. No llama a la guerra… llama al diálogo. Sí, los cristianos somos así. Me imagino qué pasaría si alguien llamara a la guerra santa y nadie acudiera[11].

Hoy en Bangui, la ciudad más grande de la República Central Africana, el Papa Francisco visitó una mezquita y, sin recurrir a lugares comunes, sino con su habitual predilección por romper esquemas, el Santo Padre, dice que cristianos y musulmanes somos hermanos… Bueno, hasta aquí nada nuevo; aunque algunos niegan que lo seamos. “Sabemos bien que los últimos sucesos y la violencia que ha golpeado su país no tienen un fundamento precisamente religioso”. Frase clave en el pensamiento papal y en el pensamiento cristiano. Ojalá la escuche más gente.

Prosigue: “Quien dice que cree en Dios ha de ser también un hombre o una mujer de paz”. No sé qué van a decir los guerrilleros anti-gender ahora que el Papa habla de hombre y de mujer y no sólo de hombre  🙂

Más adelante: “cristianos, musulmanes y seguidores de las religiones tradicionales, han vivido juntos pacíficamente durante muchos años”. Por eso, “tenemos que permanecer unidos para que cese toda acción que, venga de donde venga, desfigura el Rostro de Dios y, en el fondo, tiene como objetivo la defensa a ultranza de intereses particulares, en perjuicio del bien común”. Propone: “Juntos digamos ‘no’ al odio, a la venganza, a la violencia, en particular a la que se comete en nombre de una religión o de Dios. Dios es paz, salam (…). Los animo vivamente a trabajar para que su país sea una casa acogedora para todos sus hijos, sin distinción de etnia, adscripción política o confesión religiosa”[12]. Ese sin distinción es algo que me gusta mucho.

Esto es nuestra responsabilidad, nuestro derecho y nuestro deber, sembrar la paz junto a los musulmanes, dice claramente el Vaticano II. Nostra Aetate número nos “obliga” a ello. Feliz obligación la nuestra. Dichosos los pies del mensajero de la paz (Isaías 52,7).


[1] Me referí a él en julio de este ano, en “El mayor error de mi vida”.

[3] El presidente Bush citó varias veces este verso para llamar a los musulmanes a no hacer la guerra contra los no musulmanes. La noticia en el Tagesspiegel: http://www.tagesspiegel.de/politik/bush-appelliert-an-muslime-in-aller-welt/651608.html

[5] Rhonheimer dice que el Islam es más que una religión. Es un conjunto de reglas de culto, políticas y sociales.

[6] Es ist nicht sehr hilfreich einfach einzelne Suren aufzuzählen, aber: Sure 17 Vers 33; Sure 2 Vers 191-193, Sure 8 Vers 12.

[7] Durante años, el español Carlos Andrés (conocido por su pseudónimo AMDG) autor del blog lamentablemente muy popular en Espana; La Yihad en Eurabia -y de otras páginas maravillosas- me atacó violentamente -después de tratar de ganarme zalameramente para su causa del odio- y me llamaba dhimi. De esto último, puedo estar muy orgullosa, ya que él consideraba a Juan Pablo II igualmente, un dhimi. 

[9] Pienso que, en siglos pasados, fueron los autores musulmanes quienes preservaron la herencia griega y la entregaron a Occidente.

[10] Ver, a modo de ejemplo de esta utilzación, de este abuso, la nota a pie de página número 10 de mi artículo anterior. Lo que cuenta Stefan Zweig.

[11] No sé si saben que el movimiento pacifista de los 60 y 70, tenía el slogan: “Imagínate que llaman a la guerra y nadie acude”.