Die kürzeste und treffendste Beschreibung von Birgit Kelle

Birgit Kelle, die zu der sexuellen Belästigung von Laura Himmelreich durch Rainer Brüderle „Mach doch die Bluse zu schrieb“ und sich bei Diskussionen um den Eklat der Massenbelästigung der Kölner Silvesternacht 2015/16 plötzlich zur Kämpferin der Rechte für Frauen aufspielt. Bei der Tätergruppe handelte es sich ja um Moslems. Sie ist eine typische Vertreterin der neuen Rechten. Genauso ist sie gegen die Ehe für Homosexuelle eingetreten, aber schwingt sich im Zusammenhang mit muslimischer Homophobie zur Kämpferin für Homosexuelle auf.

Diese Zeilen hat eine gute Freundin von mir geschrieben und ich denke, das ist die kürzeste und treffendste Beschreibung der Ehefrau des ehemaligen Bild-Journalisten Klaus Kelle, die ich gelesen habe. Nein, ich denke nicht, dass ich mich mit dem Thema Kelle so viel beschäftigt habe… Aber…In den letzten Wochen haben wir nolens volens zu Haus aber viel zu viele Artikel von Frau Kelle in der Tageszeitung “Die Welt” bekommen und jedes Mal war ich schockiert[1]. “Die Welt” brachte mehrmals innerhalb weniger Wochen Frau Kelle auf unseren Frühstückstisch[2].

Ja, ich kann mich an die Debatte erinnern, als Kelle ihr Buch geschrieben hat. Schon allein der Buchtitel “Dann mach doch die Bluse zu” setzt voraus, dass die Politik-Journalistin, die von einem Politiker an einer Hotelbar belästigt wurde, selbst schuld ist, weil sie ihre Bluse nicht zugeknöpft hat. Ich war nicht dabei, so weiß ich nicht, ob die Journalistin ihr Oberteil bis zum Bauchnabel offen hatte oder nicht. Ich weiß – aus eigener Erfahrung – dass eine Frau nicht “schuld” ist, wenn eine bestimmte Art Männer denkt, dass sie sich ihr gegenüber sexistisch äußern darf / kann.

Mit ihrem Satz “mach doch die Bluse zu”, gab sie damals dem FDP-Politiker Brüderle Recht. Sie hatte ihre Bluse zu offen getragen und das hatte ihm das Recht gegeben, sie sexuell zu belästigen.

Ja, es ist egal was eine Frau trägt, ob Burka oder Bikini, ob Burkini, Tauchanzug, die alte Rüschenbluse oder Blue Jeans… Für manche Leute, scheint sie immer schuld zu sein und Männer provozieren zu wollen oder zu können. Männer, die irgendwie Tiere sind, die nicht anders können… Sorry, aber die große Mehrheit der Männer wird nicht vom Instinkt getrieben und sind keine Sexbessesenen. Das ist eher eine Beleidigung der Männer.

In Zeiten von #metoo ist es besonders wichtig, dies zu betonen. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, nicht die Frauen zu disqualifizieren, die ihre Erfahrung schreiben, als ob alles eine Lüge sei oder ob sie selber schuld seien.

Kelle ging so weit, dass sie behauptet “Die einzige Entschuldigung, die hier fällig ist, wäre die von Rainer Brüderle an seine eigene Frau”[3]. Also, gegenüber der Journalistin, braucht der Politiker sich nicht zu entschuldigen… In der Fantasie von Frau Kelle hat die junge Journalistin den alten Politiker sexuell “provoziert”…

Sie geht noch weiter und schreibt: “dann hätte ein verantwortungsvoller Arbeitgeber seine junge Mitarbeiterin davor bewahren und schützen müssen, anstatt sie dem weiter auszusetzen”[4]. Das ist doch klar… Die Zeitschrift, wo die Journalistin Laura Himmelreich gearbeitet hat, ist auch schuld. Das ist so absurd, wie diese Leute, die meinen, nach einem Amoklauf seien die Opfer schuld weil sie keine Waffen trügen.

Damals kursierte in Deutschland der hashtag #aufschrei und viele haben darüber geschrieben, unter anderem Frau Kelle, die sich so oft in Frauenangelegenheiten einmischt – und zwar gegen die Frau. Ja, damals, in den #aufschrei-Zeiten, die durch den internationalen #metoo ersetzt wurden, wurde in Indien eine Reihe von sehr guten kurzen Filmen über das Thema gedreht. Kurze Videos, die nicht dem Geschmack von Frau Kelle entsprechen. Ich habe mich damals gewünscht, in Deutschland auch solche Kurzfilme zu sehen…

It’s Your Fault https://www.youtube.com/watch?v=8hC0Ng_ajpY


[1] Ja, wir sind seit Jahrzehnten Welt-Abonnenten. Ich kann sagen, dass die Tageszeitung “Die Welt” meine Kinder durch die ganze Schulzeit begleitet hat, vor allem die Ressorts “Welt der Wissenschaft” und danach, “Finanzen”, waren sehr beliebte Teile. Aber wenn Die Welt mehrmals innerhalb weniger Wochen Frau Kelle auf unseren Frühstückstisch bringt, sind wir echt bereit auf diese überregionale Zeitung zu verzichten.

[2] Für mich, ein Grund, mein “Welt-Abonnement zu kündigen.

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Todas las rubias votaron / votamos por Piñera – El voto rubio en Chile

Una diputada comunista (sí, Chile es tan anticuado que aún existe el Partido Comunista) dijo algo así como “Vi en Recoleta una cantidad de personas que no había visto nunca, de pelo muy rubio”[1], con lo que ella explicaría el triunfo del candidato que no era el suyo -ya que ella era jefa de campaña de Alejandro Guillier- por el “voto rubio”. “Güerito” le llamarían en México.

De partida y antes que nada, tengo que confesar que yo no soy rubia y que voté por Piñera (aunque no soy su incondicional: en la primera vuelta, había votado por Felipe Kast, me gusta Evopoli, sobre todo por su compromiso social). Por eso, decidi cambiar mi foto de perfil en Facebook, por una foto mía con peluca rubia. (Esta foto con peluca rubia, la tomé para mis viajes al Este de Alemania[2], por si acaso me veo enfrentada a gente de extrema derecha).

Yo no sé si puede haber algo más absurdo y más bajo que sostener que la gente que no es rubia -así como yo, que tengo el pelo negro- vota o tiene que votar por el candidato contrario a Piñera… Más aún si Sebastián Piñera -que ahora tiene el pelo blanco- si mal no recuerdo, también tenía el pelo negro[3].

Todo esto es aún más ridículo, si se considera que la misma señora del candidato Alejandro Guillier, de la que Cariola era su jefa de campaña, tiene el pelo castaño bien claro… Tanto que, en Chile, pasar por rubia. Vean su foto para convencerse. Y eso qué importa! Nada! Esto es del “voto rubio” es más que simplemente un “estereotipo tonto”[4], es una estupidez.

Yo creo que da exactamente lo mismo el color de pelo, de ojos, de piel, de… de no sé qué que tenga una persona… En el siglo 21 somos libres de votar por quién queramos y nadie tiene derecho -ni a priori, ni a posteriori- por desprestigiarnos, discriminarnos, a hablar mal de nosotros por el tema de nuestra apariencia física.

En Europa, la no discriminación, el no al racismo son banderas de la izquierda. En Chile -el mundo al revés- parece que es la izquierda -anticuada y pechoña- la que está a favor del prejuicio y de la discriminación absurda y sin sentido. 

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[2] Al territorio de la antigua República “democrática” alemana.

Meine Freundin und der Bischof – Eine #metoo Geschichte

Vor ein paar Jahren unterhielten sich ein paar Freundinnen bzw. Bekannte bis tief in der Nacht über Gott und die Welt. Ich gehörte auch dazu: wir nahmen alle an einer Tagung irgenwo in der Eifel teil. Als alle anderen sich entschieden hatten, ins Bett zu gehen und unsere gesellige und informelle Runde zu verlassen, öffnete sich eine sehr gute Freundin mir gegenüber.

Sie ist in einem lateinamerikanischen Land gewesen und war dort zu einem Empfang zu Ehren eines deutschen katholischen Bischofs, der wegen seines Engagements für die Armen jenes Landes eine Auszeichnung bekommen hatte. Nach der Zeremonie hat der Bischof, meiner Freundin angeboten, mit seinem Wagen mitzunehmen. Meine Freundin war jung, sozial, politisch und christlich engagiert und hat sofort zugesagt. Die Möglichkeit, mit dem Bischof über die kirchliche Hilfe im Ausland zu sprechen, war für sie – als angehende deutsche Journalistin – eine super Chance.

Im Auto war der Bischof aber nicht mehr an den Fragen meiner Freundin interessiert, sondern viel mehr an ihren Beinen. Sie erzählte mir, er habe sie angefasst. Dann fuhren beide weiter… Oder besser gesagt, sie wurden von einem Fahrer gefahren, und zwar in ein Dorf, wohin die deutsche Hilfe geflossen war. Ich muss meinen deutschen Leser/Innen erklären, dass in Lateinamerika der Fahrer alleine vorne sitzt und die Passagiere hinten.

Meine Freundin erzählte mir, im Dorf war der deutsche Bischof ein Gott. Das Dorf war sozusagen auf ihn und seine Bedürfnisse zugeschnitten, beschrieb sie. Frauen dienten ihn in allen Angelegenheiten und in allen Arten, inklusive Sexdienste. Mit anderen Worten, der Bischof nützte die armen Frauen aus diesem armen Viertel eines armen Landes vollkommen aus. Sie hingen von ihm, ab, denn er hatte das Geld und damit das Sagen. Der Bischof soll nicht wählerisch gewesen hinsichtlich des Alters der Frauen gewesen, erzählte meine Freundin; sowohl eher Erwachsene als auch junge Mädchen mochte er sehr.

Der Bischof war sehr bekannt in Deutschland. Beliebt war er auch wegen seines Engagements für die Armen in Lateinamerika… Was er von armen Frauen als Gegenleistung verlangte, war aber in Deutschland nicht bekannt. Damals sprachen wir nicht darüber. Sexuelle Belästigung war es damals kein Thema, noch weniger wenn es sich um einen Mann handelt, der anscheinend viel Gutes tat. Heute kennen wir das Phänomen der moral licensing.

Absolut schockiert bot ich meiner Freundin meine Hilfe an und schlug vor, den Vatikan darüber zu informieren. Wir könnten einen vertraulichen Brief entweder an den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger oder an den Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano schicken. Einer unerträgliche Lage sollte ein Ende gesetzt werden, denn der Bischof nützte Frauen aus, die abhängig von ihm waren. Ein klarer Fall von Machtmissbrauch. Er missbrauchte sie und missbraucht seine Mitra, seine Stelle, er missbrauchte die Kirche.

Frauen musste er als Menschen und als Töchter Gottes respektieren. Arme Frauen verdienen nur unsere Zuneigung und unseren Schutz, sagte ich meiner Freundin. Sie sind unsere Schwestern, die zu den Unprivilegierten gehörten. Stelle Dir für einen Moment vor, wir wären dort geboren, an ihrer Stelle. Was hättest Du gemacht? Was hättest du gehofft? Man darf nicht wegsehen. Darüber hinaus schadet der Bischof mit seinen Verhalten der Kirche ungemein. Einfach aus Liebe zur Kirche sollte seinem Behnemen so schnell wie möglich ein Ende gesetzt werden. Und dabei kann der Vatikan helfen, sagte ich.

Nach einigen Tagen meldete sich meine Freundin bei mir und erklärte, sie hat sich entschieden, nichts zu sagen, keinen Brief zu schreiben. Mit niemanden darüber zu reden. Sie hat mit ihrem Mann darüber gesprochen und er meinte, sie sollte nichts tun. Das könne ihr nur schaden.

Bei mir ist eine Welt zusammengebrochen. Ich hätte nie gedacht, dass meine Freundin schweigen würde, nur weil ihr Mann das anordnet. Jahre später war ihr Mann ganz groß bei der AfD (heute ist er Gott sei Dank nicht mehr dabei) und ich verstehe jetzt vieles über Deutschland, was ich damals nicht verstanden habe.

Das lateinamerikanische Land, wo der Bischof sich damals aufhielt, ist heute weiter sehr arm. Der Bischof ist heute vielleicht gestorben… Meine Freundin hat ihre Erfahrung wahrscheinlich verdrängt. Wahrscheinlich verdrängt aber nicht vergessen, denn so etwas kann man nicht vergessen.

Diese Woche habe ich sie angeschrieben (per Twitter, denn wir haben leider seit langem keinen Kontakt mehr) und habe gefragt, ob sie im Rahmen von #metoo[1] über diese Reise mit dem Bischof schreiben könnte… Sie hat nicht reagiert. Ich kann nicht an ihrer Stelle schreiben, ich kann lediglich weitergeben, was sie mir erzählt hat.  


[1] Die #metoo-Bewegung ist von Magazin Time als “Person des Jahres 2017” gekührt worden.